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Aktuelles:
Drei Jahre WG Bordesholm – Ein Resümee (2010)

Seit Bestehen der Wohngemeinschaft Bordesholm waren und sind wir in einem ständigen Entwicklungsprozess. Es wurden neue Ideen geboren, ausprobiert und in den Alltag integriert. Bewährte Inhalte wurden verbessert und bekamen einen höheren Stellenwert. Andere Überlegungen zeigten sich als impraktikabel und wurden ebenso verworfen wie Methoden, die nicht erfolgreich waren.

 

Im Laufe der Zeit entstanden die Leitmotive, nach denen wir unsere Arbeit mit den Jugendlichen gestalten wollen und die das Grundgerüst für unsere aktuelle Konzeption bilden. Es kristallisierten sich folgende Bedingungen heraus, die die Jugendlichen benötigen, um sich im geschützten Rahmen der Einrichtung positiv zu entwickeln:

 

Die Jugendlichen benötigen einen strukturierten Tagesablauf, der ihnen Orientierung bietet.

Es muss ihnen die Möglichkeit gegeben werden, auf den Alltag einwirken zu können, um Selbstwirksamkeit zu erfahren.

Wir arbeiten mit den Jugendlichen ressourcenorientiert, um ihnen Erfolgserlebnisse zu ermöglichen.

MitarbeiterInnen müssen einerseits empathisch für die Gefühle der Jugendlichen sind, andererseits aber auch konsequent und berechenbar, damit die Jugendlichen eigene und fremde Grenzen erleben.

Ein hohes Maß an Einzel-Betreuung wirkt deeskalierend auf den Gruppenkontext und gibt den Jugendlichen Gelegenheit, sich zu erproben und neue Erfahrungen zu sammeln, ohne sich vor der Gruppe blamieren oder profilieren zu müssen.

Durch Bewegung bekommen die Jugendlichen Zugang zu ihrem Körper, und die Wahrnehmung eigener Grenzen und Gefühle wird verbessert. Dies sind wesentliche Faktoren für einen angemessenen zwischenmenschlichen Kontakt.

Intrinsische Veränderungen brauchen Zeit. Daher geben wir den Jugendlichen die Möglichkeit, ihr Entwicklungstempo selbst zu bestimmen.

 

Diese Bedingungen fanden wie folgt Eingang in unsere Konzeption:

 

Ein hohes Maß an Einzel-Betreuung durch das BezugsbetreuerInnen-Team

Wir begreifen den Aufbau tragfähiger Beziehungen als eine wesentliche Grundlage für erforderliche Lernprozesse. Dies gewährleisten wir dadurch, dass jeder unserer Jugendlichen zwei BezugsbetreuerInnen hat, die gemeinsam den Kontakt zum sozialen Umfeld des Jugendlichen herstellen und aufrecht erhalten und Verbindungen zu neuen Hilfssystemen wie Schule, Vereine, Ausbildungsstätten, Ärzte und Gewaltberater/Tätertherapeut knüpfen.

 

In der Aufnahmephase lernt der Jugendliche seine BezugsbetreuerInnen intensiv kennen und erfährt so Zuwendung, Wärme, Verständnis, Anerkennung und Orientierung. Im weiteren Verlauf der Maßnahme werden dann vor allem mit den BezugsbetreuerInnen Einzel-Aktivitäten durchgeführt (z.B. Hobbies, Projekte, sportliche Aktivitäten).

 

Verbesserung der sozialen Kompetenz

Das kleine Gruppensetting unserer Einrichtung bietet ein optimales soziales Lernfeld, in dem Absprachen, das Einhalten von Regeln und das Eingehen von Kompromissen eingeübt werden können. Auch der konstruktive Umgang mit Konflikten kann durch das intensive Setting besser erlernt und bewältigt werden.

 

Zudem findet wöchentlich das Soziale-Kompetenz-Training (SKT) statt. Schwierigkeiten in der Schule, beim Aufbau tragfähiger Beziehungen, beim Vergleich mit anderen Jugendlichen in der Peer-Group führen oft zu nachhaltiger Frustration und zu Ohnmachtsgefühlen sowie einem geringen Selbstwertgefühl. Dort setzt das SKT an.

 

Durch Rollenspiele, Nähe- und Abgrenzungstraining, Steigerung der Allgemeinbildung und weitere Methoden wollen wir mit den Jugendlichen eine differenziertere soziale Wahrnehmung und Urteilsfähigkeit erarbeiten sowie die Selbstwahrnehmung und Selbstkontrolle steigern. Es werden zudem zusätzliche Handlungsmöglichkeiten vermittelt, um den Jugendlichen alternative Vorgehensweisen in alltäglichen Situationen an die Hand zu geben.

 

Ohne Bewegung keine Veränderung

Wir verstehen Veränderung als einen ganzkörperlichen Prozess, sodass auch körperliche Bewegung einen hohen Stellenwert in unserer Konzeption besitzt. Über gemeinsame sportliche Aktivitäten finden Körpererfahrungen statt, die zu einem gemeinsamen Erleben und damit zu einem Kontakt führen. Sport steigert nicht zur den Fitness-Stand, die Belastungsgrenze und Ausdauer, er erleichtert auch den Zugang zu verdrängten Gefühlen und eröffnet Möglichkeiten, an schwach ausgebildeter bzw. ganz fehlender Empathie zu arbeiten.

 

Den Alltag gemeinsam bewältigen

Wir legen Wert auf eine realitätsnahe Auseinandersetzung mit den Anforderungen des Alltags. Hierbei wünschen und fordern wir die aktive Mitgestaltung der Jugendlichen, um sie an der Gestaltung des Tagesablaufs teilhaben zu lassen und sie an die Alltagsaufgaben ihres späteren Lebens heranzuführen.

 

Die Jugendlichen werden zudem in der Einrichtung unterrichtet. Dies findet wochentags zwischen 8.30-13.00 Uhr statt. Zu diesem Zweck arbeiten wir mit einer Fernschule zusammen, die Material für die Jugendlichen zusammenstellt und eingesendete Unterlagen auswertet.

 

Die Jugendlichen haben daher die Möglichkeit, sich ganz auf den Unterricht zu konzentrieren und Erfolge zu erzielen, da sie ihr eigenes Lerntempo bestimmen können, sich nicht im Klassenverband profilieren müssen und zudem bei Schwierigkeiten eine Betreuung zur Seite haben, die sie gezielt unterstützt.

 

Resuemee1
Resuemee2
Resuemee3

Soziales Lernfeld Gruppe

Körpererfahrung Rasenmähen

Anforderung Berufsalltag