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Erweiterung der Freiräume
Das Leben in unserer Einrichtung ist von klaren Strukturen gekennzeichnet und verlangt von den Jugendlichen daher die Erfüllung vieler Aufgaben und Pflichten, die sie sich nicht aussuchen können. Damit geben wir den Jugendlichen einen klaren Handlungsrahmen vor, der ihnen das Gefühl von Klarheit, Sicherheit und Stabilität verleihen soll.

Wenn ein Jugendlicher neu zu uns kommt, hat er sich zunächst für sehr enge Strukturen entschieden. Diese kann er durch sein eigenes Verhalten erweitern. Konkret bedeutet dies beispielsweise, dass ein Jugendlicher zunächst kurze oder gar keine Ausgangszeiten hat. Je nach Maß der Mitarbeit, Einhaltung der Regeln, Zuverlässigkeit bei Absprachen, Einschätzung des persönlichen Wachstums, Rückmeldung aus der Beratung und Therapie werden die Zeiten, die der Jugendliche außerhalb der Einrichtung verbringen kann, erweitert.

Die eigenständige Zeit außerhalb der Einrichtung dient als Erprobungs- und Überprüfungsfeld für bereits Erlerntes. Der Jugendliche ist dann auf sich gestellt und erlebt, welche Entscheidungen er trifft, wo er sicher und wo er noch gefährdet ist. Bildlich gesprochen lebt der Jugendliche bei uns also zunächst umgeben von symbolischen Gitterstäben, die er durch sein Verhalten nach und nach selbst entfernen kann. Dies kann hart klingen, dient aber dem Schutz vor sich selbst und auch dem Schutz des sozialen Umfeldes. Freiräume sollen neu erarbeitet und erprobt werden.

Und was kommt danach?
Perspektive nach der Wohngemeinschaft ist die Verselbstständigung in einer eigenen Wohnung. Voraussetzungen für diesen Schritt sind, dass der Jugendliche zuvor in der Wohngemeinschaft

morgens alleine aufstehen kann
eigenständig für Ordnung und Sauberkeit in seinem Zimmer sorgt
den Umgang mit den für ihn zuständigen Dienstleistungszentren und der Agentur für Arbeit gelernt hat
alle für ihn wesentlichen Anträge ausfüllen kann
das ihm monatlich zustehende Geld in einem Haushaltsplan einzuteilen vermag
in der Lage ist, kostengünstig einzukaufen und einige Gerichte zu kochen.

Der Jugendliche ist in eigener Wohnung ständig gefordert, eigenverantwortlich zu handeln. Über Erfahrungen und etwaige Schwierigkeiten kann er dann regelmäßig mit seinem Nachbetreuer sprechen, der ihn stundenweise betreut und dabei die Rolle des informierten Begleiters einnimmt.

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